Enrico Rava TRIBE feat. Gianluca Petrella

 

 

Enrico Rava Trumpet
Gianluca Petrella Trombone
Giovanni Guidi Piano
Gabriele Evangelista Double Bass
Fabrizio Sferra Drums

 

 
»Quiet Is the New Loud”, so konnte man Ende der 1990er Jahre in den einschlägigen Gazetten der Popmusik lesen – ein Postulat, das freilich in der improvisierenden Musik, im Jazz, schon längst realisiert worden war. Während Bands und Künstler wie Kings Of Convenience, Jeff Buckley, Coldplay, Starsailor oder Travis mit besonnen ruhiger Instrumentierung und leisem Gesang ihre Geschichten in dichter, intensiver Atmosphäre erzählten, feierte ein deutsches Plattenlabel, das genau diese Philosophie des Musizierens wie ein Banner vor sich herträgt, bereits das 30-jährige Jubiläum seines Bestehens. Und ein Musiker, der diesen Klang seit den Anfangstagen der Münchner »Edition of Contemporary Music« (ECM) wesentlich mitprägen konnte, istder italienische Trompeter Enrico Rava. Solche Einstellung zur Musik kommt nicht von ungefähr.

 

Im Falle von Rava bedurfte es einiger Entwicklungsstränge, die ihn von ersten Dixieland-Impressionen eines Bix Beiderbecke über eine heftige Free Jazz-Liaison bis zu den sphärischenKlängen der ECM-Ära führten.Unter dem Einfluss der Cool-Jazz-Aufnahmen von Miles Davis wandte sich Enrico Rava, der sich zunächst als Posaunist versuchte, 1956 als Autodidakt der Trompete zu. »Eine Musik-Schule habe ich nie besucht«, erläutert Rava, »Leute wie Miles oder Chet Baker waren für mich viel entscheidender. Ich hatte das große Glück, Chet Baker über einen Freund persönlich kennen zu lernen. Da saß ich nun und starrte ihn an, wenn er übte. Ihn zu fragen, wie er dies oder jenes spielte, war zwecklos, weil er darauf einfach keine Antwort fand. Musiktheorie war für ihn das, was es ist: ein Fremdwort. Also habe ich ihn nur aus der Nähe beobachtet. Ich glaube, das hat mir mehr gebracht als zwei Jahre auf eine Schule zu gehen.

 

«Unter den Trompetern, die das Erbe von Miles Davis und Chet Baker für sich in Anspruch nehmen können, ist Rava gewiss einer der würdigsten Anwärter. Bevor er als erster italienischer Jazzmusiker überhaupt den Sprung nach Amerika wagte, wo er ab 1964 zum engen Kreis der New Yorker Avantgarde-Szene gehörte, dienten die Clubs seiner Heimatstadt Turin als Werkstätten, in denen Rava seine eigene musikalische Sprache entwickelte. »Was für mich zählt, ist der Klang, der Sinn für Melodik, die Schönheit musikalischer Themen. Dies ist mir immens wichtig.«

 

Diese spezielle lyrische Seite seines Spiels und seiner Kompositionen hat er im Laufe der Jahre weiterentwickelt, aber in den 1970er Jahren war Enrico Rava auch dafür bekannt, dass er seinensanften, romantischen Trompeten-Klang gerne mit freieren Formen kontrastierte. Deshalb lässt sich der heute 71-jährige Musiker stilistisch nicht so einfach festlegen. Rava kann feurige und lyrische Linien spielen und ebenso romantische Stimmungen schaffen. Manchmal wechseln seine langsamen, kreisenden, Bop-artigen Linien in freies Terrain. Seine Phrasen verschleift er oft am Ende, technisch verwendet er dabei oft halbgedrückte Ventile oder andere Stilmittel, um, je nach Komposition, lyrische oder gewagte Stimmungen zu erzeugen. Viele Töne sind dazu nicht notwendig.

 

Um Ökonomie im Spiel zu erreichen, hat Rava einen Rat des brasilianischen Sängers João Gilberto beherzigt und ihn wohl auf ewig verinnerlicht: Spiel nur die Noten, die unbedingt nötig sind, alle anderen solltest du vermeiden. Wenn er über Einflüsse spricht, dann hebt Enrico Rava immer wieder zwei Musiker hervor: Duke Ellington und Miles Davis. Ellington, weil er Musik zu schreiben wusste, die »speziell auf seine Musiker zugeschnitten war«, und Davis, weil er »niemals zu viel schrieb«. »Nur der Klang der Stille ist schöner«, dieses sprichwörtlich gewordeneMotto aus der Gründungsphase von ECM gilt denn auch für Enrico Rava im Besonderen. Die Konzerte und Einspielungen des italienischen Trompeters in wechselnder Besetzung geben davon beredt Zeugnis ab. Um Routine im Konzertbetrieb, der ihn jährlich um die 100-mal durch die Welt führt, zu vermeiden, sucht Enrico Rava die Herausforderung, sich auf andere Musiker einzulassen. In seinem New Quintet finden sich mit Ausnahme des Posaunisten Gianluca Petrella  junge Musiker, die erst seit kurzem mit Rava die Konzertbühne teilen

 

»Ich gewähre den Musikern in meinen Bands gerne die größtmögliche Freiheit«, meint Rava. Gemeinsam kreiert das Quintett so Musik von zeitloser Qualität, die sich zwar aus den Quellen der Jazzgeschichte speist (insbesondere die Kombination Rava/Petrella erinnert manchmal an die Schulen von Miles Davis und des Pianisten Lennie Tristano), aber ebenso sehr im Hier und Jetzt fußt. Das Motto seines eigenen Spiels sei, so Rava, im Prinzip nur wenige, aber wohl gewählte Noten zu finden, und darüber hinaus Vertrauen in die Musiker zu haben, die sie spielen sollen. »Ich gebe die Melodien und Akkorde vor und wenn die Musiker dann auf die Idee kommen, etwas anderes zu spielen, macht mich das glücklich. Das Schöne an der Musik ist ja gerade ihr Überraschungspotential.«

 

Der Saxophonist Mark Turner hat anlässlich einer gemeinsamen Plattenproduktion einmal angemerkt, dass Rava genau wisse, wie er mit wenig Information eine Menge Inhalt erzeugen könne, »das ist tatsächlich gar nicht so einfach, aber Enrico versteht sich darauf ausgezeichnet.« Auch vor Konzertbeginn legt der Trompeter seinen Mitmusikern nahe, sich nicht so sehr auf die Arrangements der Kompositionen zu konzentrieren. Er fordert sie vielmehr auf sich vorzustellen, sie malten zusammen an einem Gemälde. Kann man sich einen besseren Bogen zurück zu Miles Davis, zu Kind of Blue, Blue in Green oder den Flamenco Sketches denken?

 

 

„RAVA ON THE DANCE FLOOR“

 
MUSIC BY MICHAEL JACKSON/ARRANGED BY MAURO OTTOLINI


Als der italienische Jazztrompeter ENRICO RAVA, Jahrgang 1939, im Juni 2009 ein Video über den kürzlich verstorbenen Megastar Michael Jackson anschaute, traf es ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Fasziniert von Jacksons Songs ging sein Enthusiasmus so weit, dass er sein Grundprinzip, in erster Linie die eigenen Kompositionen in den Mittelpunkt zu stellen, über Bord warf und sich zu einer aussergewöhnlichen Hommage entschloss. Im elfköpfigen PARCO DELLA MUSICA JAZZ LAB, einer von Rava massgeblich geförderten Brutstätte für junge itialienische Jazz-Talente, fand er die ideale Besetzung und in dem Posaunisten MAURO OTTOLINI einen kongenialen Arrangeur für sein Projekt.

 

Die CD „RAVA ON THE DANCE FLOOR“ (ECM) zeigt oftmals verblüffende neue Sichtweisen vermeintlich altbekannter Jackson-Hits - „They Don´t Care About Us“, „Privacy“, „Smooth Criminal“, „History“, „Blood On The Dance Floor“, „Little Susie“, „Thriller“ – all diese magischen Jahrhundert-Songs erstrahlen im neuen musikalischen Gewand, mit dem selbst Überperfektionist Michael Jackson seine wahre Freude hätte. Und Jazz-Fans, die bisher glaubten, Enrico Rava in- und auswendig zu kennen, können ihn hier nochmals von einer völlig neuen Seite her entdecken.  

 

„Hier wird ein Hauptkapitel der Pop-Geschichte durch einen unorthodoxen Einfall in die Jazz-Geschichte übernommen. Würde mich sehr verwundern, wenn das nicht eines der Alben des Jahres 2012 würde!“ (Peter Füssl)

 

„Und die Musiker spielen die Jackson-Titel mit einer solchen Vehemenz und Spielfreude, dass keine Genregrenze mehr stehenbleibt, und oben darauf jubiliert die Trompete von Enrico Rava, als hätten sich die Tanzschritte Michael Jacksons in die virtuosen Läufe eines Blechblasinstruments verwandelt, ein unwiderstehliches Album.“ (Jazzthetik)

 

http://www.enricorava.com

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